AGI hochfranken +
Im Weltall gibt es keinen Raum für Fehler und jeder Handgriff der Raumfahrer muss sitzen. "Space is hard", auf deutsch: Der Weltraum ist ein hartes Geschäft. Das stellte der deutsche Wissenschaftsastronaut Ulrich Walter beim vierten Unternehmergespräch der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber bayme/vbm und der AGI Hochfranken plus vor Unternehmen in Selb heraus. 

"Die Luft- und Raumfahrt ist die Speerspitze der Wissenschaft", sagt der Referent. "Hier gehen die Forscher an die Grenzen des Machbaren". Daher könnten Unternehmen viel von ihr lernen. 
 
Allen voran benötige es motivierte Mitarbeiter. Nach Walter sind dafür drei Weisheiten nötig: Tue das, was kein anderer kann und tue das, wofür andere bereit sind Geld zu zahlen", sagte er. "Dann hat man einen Beruf, an dem man ein Leben lang Freude hat."

Um ein Projekt zu verwirklichen, sei ein detaillierter Plan unerlässlich. Als Astronaut stünden fünf lange Jahre der Vorbereitung auf dem Programm, bevor es endlich in den Weltraum gehe, erklärte der Astronaut." In diesen Jahren bekommt man ein Gefühl, wie man mit besonderen Situationen umgehen muss", erklärte er dem Publikum.

Am Ende der Vorbereitung steht endlich die Mission an. Wie bei einem Weltraumflug sind auch Projekte in Unternehmen mit Risiken beihaftet. Anhand der Columbia-Katastrophe, bei der 2003 sieben Astronauten ums Leben kamen, erklärte Ulrich Walter, welche Fehler Unternehmen keinesfalls machen dürften. Begrenzte Ressourcen, Termindruck und sich ändernde Prioritäten seien es, die Projekte scheitern ließen. Vor allem Letzteres könne ein Vorhaben schon vor dem eigentlichen Beginn zu einem Misserfolg machen. 

"Sie müssen vorher wissen, was Sie möchten" gab Ulrich Walter den Unternehmern auf den Weg. Ein Dokument, in dem alle Wünsche genau aufgelistet sind, könne helfen. Bei der NASA gebe es detaillierte Checklisten für jeden Arbeitsschritt. Entscheidend für jedes Projekt sei Kommunikation. "Lassen Sie keine informellen Befehlsketten zu", riet er den Zuhörern. "Halten Sie regelmäßig Meetings ab. Offene Kommunikation löst Probleme". Doch selbst wenn ein Unternehmen all das beachte, sei nicht garantiert, dass ein Projekt auch gelinge. "Nur drei von zehn Projekten sind erfolgreich", merkte Walter an. "Sie als Unternehmer müssen jedoch so von Ihrem Projekt überzeugt sein, dass alle zehn erfolgreich sein werden. Halbherzigkeit bringt überhaupt nichts."
 
Zur Person:
Dr. Ulrich Walter wurde 1954 in Iserlohn geboren. Nach seinem Physikstudium an der Universität Köln widmetet er sich weiter der Wissenschaft und promovierte 1985 im Bereich Festkörperphysik. Es folgen Forschungsaufenthalte am Argonne National Laboratory (ANL) in Chicago und der Universität von Kaliforniern in Berkley. 1987 wurde er als Astronaut ausgewählt und begann 1988 mit dem Training. Nach fünf Jahren startetet er 1993 an Bord des Space-Shuttles "Columbia" in den Weltraum. Nach der Mission leitete Ulrich Walter die Entwicklung des Deutschen Satellitenbild-Datenarchivs, war Produktmanager bei IBM und hat 2003 den Lehrstuhl für Luft- und Raumfahrtteechnik an der Technischen Universität München inne.