AGI hochfranken +

Psychische Gefährdungsbeurteilung – immer noch ein Tabuthema?

Interessiert verfolgten die Zuhörer den Worten von Frau Elke Seidel, IGM-GesundheitsCoach und Systemische Prozessberaterin im BGM Bad Alexandersbad und Herrn Peter Schreyer, Werkleitung der Didier-Werke AG, Marktredwitz.

Dass die Psyche eine wichtige Rolle bei der Gesundheit im Beruf spielt, ist heute unbestritten. Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung, Fachkräftemangel etc. zeigen Auswirkungen auf die Arbeit. Termindruck, Informationsflut, soziale Konflikte und Arbeitsplatzunsicherheit sind heute alltäglich. Bedingungen wie diese wirken sich auf die einzelnen Beschäftigten aus und können die Gesundheit gefährden.

Mehr als die Hälfte (54 %) aller Arbeitsunfähigkeits-Tage gehen heute schon auf das Muskel-Skelett-System, psychische Erkrankungen und das Atmungssystem zurück. In 2017 lagen die psychischen Erkrankungen erstmals mit 17,1 % auf dem zweiten Platz. Eine ernstzunehmende Folge sind Schlafstörungen, die sich seit 2010 von 47,5 % auf 78,9 % in 2017 erhöhten. Ebenso zeige sich die Entwicklung der vorgezogenen Erwerbsminderung wegen psychischer Erkrankungen sehr bedenklich.

Unternehmen sind daher verpflichtet, in der gesetzlich geforderten Gefährdungsbeurteilung auch auf psychische Belastungsfaktoren einzugehen. Seit 2013 steht diese Anforderung explizit im Arbeitsschutzgesetz. Wichtig zu wissen, bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung kommen die Arbeitsbedingungen auf den Prüfstand – nicht einzelne Beschäftigte.

Seidel erklärte, dass die Themenbereiche wie z. B. Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, Arbeitsumgebung, soziale Beziehungen genauer untersucht werden sollten. Psychische Belastung lässt sich eben, anders als physische Belastung, nicht objektiv messen. Deshalb sei es besonders wertvoll, die Arbeitnehmer als Spezialisten für ihre eigene Arbeitssituation in das Verfahren einzubeziehen. Ihre Beteiligung trägt dazu bei, die Akzeptanz von Maßnahmen zu erhöhen.

Ausführlich wurde der systematische Prozess im Betrieblichen Gesundheitsmanagement beschrieben und Faktoren wie Durchführung der Analyse, wissenschaftliche Auswertung und individuelle Maßnahmen praxisnah durch Herrn Schreyer erläutert. Zudem kamen zahlreiche Fragen von den Gästen zur Umsetzung der Mitarbeiterbefragung. Gezielte Maßnahmen, u.a. ergebnisbezogene Workshops, Aufbau von Netzwerken und Präventionskurse, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter, wurden vorgestellt. Zusammenfassend konnten Nutzen und Chancen für die Unternehmen uneingeschränkt positiv dargestellt werden. Schreyer erklärte abschließend, dass sich bei der Umsetzung bzw. Einführung des betrieblichen Gesundheitsmanagement das IGM-Team als ein verlässlicher Kooperationspartner zeigte.

Nach einer regen Diskussionsrunde bedankte sich Frau Weidmann von der AGI Hochfranken plus e.V. bei den beiden Referenten mit einem Geschenk und lud zum Imbiss und einem Informationsaustausch ein, der gerne angenommen wurde.

Haben auch Sie Interesse und weitere Fragen zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, dann wenden Sie sich jederzeit gerne an: